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Würstchen und Kartoffelsalat an Heiligabend

Würstchen und Kartoffelsalat ist in Deutschland ein beliebtes Essen an Heiligabend

Die 12 wichtigsten deutschen Traditionen und Bräuche zur (Vor-)Weihnachtszeit

| Freizeit

Ein kurzer Überblick über das Brauchtum rund um einen der wichtigsten Feiertage Deutschlands

Da Deutschland – wie der Großteil Europas – vor allem historisch stark christlich geprägt ist, haben die Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage hier eine hohe Bedeutung. Für viele ist es das wichtigste Familienfest des Jahres. Im Laufe der Zeit haben sich dazu diverse (vor-)weihnachtliche Traditionen, Bräuche und Rituale entwickelt. Um den hiesigen Trubel rund um Weihnachten besser verstehen zu können oder vielleicht auch eine Vorlage zu haben, um selbst einmal ein klassisch deutsches Weihnachten zu verbringen, möchten wir euch die wichtigsten Bräuche hier kurz vorstellen und erklären.

1. Adventszeit

Als Adventszeit werden die vier Wochen vor den eigentlichen Weihnachtsfeiertagen bezeichnet, die traditionell als Vorbereitungszeit auf das Fest zur Geburt Jesu gelten. Bis ins 7. Jahrhundert hinein war es dabei nicht unüblich, dass die Dauer dieser Zeit zwischen vier und sechs Wochen variierte. Anschließend legte Papst Gregor der Große die vierwöchige Form fest. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts handelte es sich dabei im westlichen Europa außerdem noch um eine Fastenzeit, also eine Periode, in der man sich im Verzicht üben und von großen Feierlichkeiten absehen sollte. Seither werden bereits im Advent weihnachtliche Feierlichkeiten veranstaltet. Außerdem treffen sich häufig Familie und Freunde zum Plätzchen backen oder Weihnachtsgebäck naschen.

2. Adventskranz

Ein Adventskranz ist klassischerweise ein aus Tannenzweigen geflochtener Tisch- oder Hängeschmuck mit vier Kerzen, die die vier Adventssonntage und damit die Zeit, in der Christus das Licht in die Welt gebracht haben soll, symbolisieren. Die erste dokumentierte Version eines solchen Kranzes ließ ein evangelischer Theologe 1839 in Hamburg aufhängen. Mittlerweile wurde der Brauch aber sowohl von der katholischen als auch manchen orthodoxen Kirchen übernommen. In Deutschland findet man zumeist große Kränze in Kirchen und an öffentlichen Plätzen. Kleine, meist tischgerechte Versionen für zuhause gehören zur typischen Weihnachtsdeko.

3. Adventskalender

 

Adventskalender bestehen in der Regel aus 24 kleinen Geschenken, von denen vom 1. bis zum 24.12. täglich eins geöffnet werden darf. Beliebt sind dabei vor allem die fertig im Supermarkt zu kaufenden Exemplare, bei denen sich hinter 24 Türen aus Pappe zumeist kleine Schokoladenstücke, andere Leckereien oder auch Spielzeuge verstecken. Einige basteln ihren Liebsten aber auch selbst einen Kalender, der dann aus den unterschiedlichsten Kleinigkeiten bestehen kann. Diese Tradition geht auf verschiedene evangelische Bräuche des 19. Jahrhunderts zurück, in denen man begann, die Tage bis zum Weihnachtsfest zu zählen, und richtet sich insbesondere an Kinder – aber auch Studierenden ist ihr Adventskalender häufig noch sehr wichtig.

4. Weihnachtsmarkt

Die Weihnachtsmärkte gehören vermutlich zu den international berühmtesten deutschen Vorweihnachtstraditionen und haben mittlerweile weltweit Ableger gefunden. Im Dezember verzaubern sich die meisten deutschen Innenstädte in idyllische Kulissen, in denen vor allem Geschenkprodukte und außergewöhnliche Spezialitäten angeboten werden. Genaue Informationen zur Geschichte und Besonderheiten der Weihnachtsmärkte, aber auch einige Empfehlungen außergewöhnlicher Exemplare könnt ihr in unserem Blogbeitrag finden.

5. Nikolaustag

Am 6. Dezember ist der Tag des Nikolaus. In Gedenken an diese Heiligenfigur, die besonders für ihre Großzügigkeit bekannt ist, stellen in Deutschland vor allem Kinder am Vorabend einen Schuh, Stiefel oder Teller vor die Zimmer- oder Haustür. Dieser wird dann vom Nikolaus (beziehungsweise den Eltern) mit Geschenken, meist Mandarinen, Nüssen und Süßigkeiten, gefüllt.

6. Knecht Ruprecht / Krampus

Zum allgemein als freundlichen Gabenbringer bekannten Nikolaus gibt es im deutschsprachigem Raum auch einen Gegenspieler: Im Norden vor allem als „Knecht Ruprecht“, im Süden eher als „Krampus“ bekannt, erscheint der Nikolaus nach altem Glauben in Begleitung einer teuflischen oder dämonischen Gestalt. Während der Eine die braven Kinder belohnt und beschenkt, bestraft der Andere die Unartigen. Häufig werden diese Gestalten mit einer Rute für die Schläge oder einem Sack, in dem die Kinder gänzlich fortgetragen werden, dargestellt.

7. Krippenspiel

Schon seit dem Mittelalter ist es in Deutschland üblich, dass die biblische Szene der Geburt Christi nachgespielt und aufgeführt wird. Häufig geben Grundschulklassen ein Krippenspiel vor den Eltern zum Besten, aber auch auf Weihnachtsmärkten gibt es entsprechende Darbietungen. An Heiligabend finden meist gesonderte Familiengottesdienste mit Krippenspiel statt, manchmal wird es aber auch in der Christvesper, also dem regulären Gottesdienst am Nachmittag oder Abend des Heiligabends, dargeboten.

8. Christbaum / Weihnachtsbaum

 

Neben dem Adventskranz werden zur Vorweihnachtszeit bereits häufig Engelsfiguren, Lichterketten und andere weihnachtliche Dekorationen aufgestellt. Den wohl wichtigsten Bestandteil bilden aber die Christ- oder Weihnachtsbäume. Die mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln oder Lametta verzierten Nadelbäume finden sich nicht nur an öffentlichen Plätzen, sondern gehören auch zur persönlichen Raumausstattung. Häufig schmücken Familien den Baum erst kurz vor Heiligabend gemeinsam. Traditionell werden die Geschenke dann daruntergelegt. Anschließend bleibt der Baum oft bis zum 6. Januar stehen, da dies der Tag der heiligen drei Könige ist und als Abschluss der Weihnachtszeit gilt.

9. Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage

Anders als in vielen anderen Ländern, bildet in Deutschland der Heiligabend den Höhepunkt des Weihnachtsfestes, auch wenn er kein offizieller Feiertag ist (die Geschäfte sind meist bis 14 Uhr geöffnet). Der genaue Ablauf des Festes unterscheidet sich dabei von Familie zu Familie. Üblicherweise gehört dazu aber der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes, die Bescherung unter dem Weihnachtsbaum, das Singen von Weihnachtsliedern und natürlich ein gemeinsames Essen. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag werden dann meist weitere Verwandte und Freunde besucht und Festessen veranstaltet.

10. Weihnachtsessen und Gebäck

Wie bereits erwähnt, ist es in Deutschland üblich in der Vorweihnachtszeit Plätzchen zu backen. Außerdem wird in dieser Zeit gerne Stollen, eine Art süßes Brot, Lebkuchen oder Spekulatius aufgetischt. Bezüglich des Festessens scheiden sich die Geister: Während einige bereits an Heiligabend mit einem großen Festmahl aufwarten, gibt es bei vielen nur einfache Gerichte wie Würstchen mit Kartoffelsalat. Als großen Festschmaus (ob nun am 24. oder 25.12.) gibt es dann häufig Gänsebraten, Weihnachtskarpfen, Rouladen, Raclette oder Fondue. Dazu werden meist Rotkohl, Klöße, Kartoffeln und andere Gemüsesorten und Salate serviert. Eine genauere Beschreibung einiger dieser Gericht finden ihr hier.

11. Tradition des Schenkens / Christkind

Das Schenken zum Jahreswechsel beruht auf einer uralten Tradition. Im späten Mittelalter war es bei den Katholiken auch in Deutschland noch üblich, dass am 6. Dezember der Nikolaus die Geschenke brachte. Erst Martin Luther, der mit seiner Reformation im 16. Jahrhundert die Entstehung der evangelischen Kirche herbeiführte, verlagerte das Geschehen auf Heiligabend. Anders als die katholische, kennt die evangelische Kirche nämlich keine Heiligenverehrung. Statt des heiligen Nikolaus‘ sollte nun also der „heilige Christ“ die Geschenke bringen. Davon abgeleitet sprechen auch heute noch viele deutsche Kinder nicht vom Weihnachtsmann, sondern dem Christkind als Gabenbringer.

12. Weihnachtslieder

 

Weihnachtslieder sind – wie der Name sagt – Gesänge, die sich thematisch mit der Adventszeit und dem Weihnachtsfest beschäftigen. Zum einem gibt es zahlreiche altbekannte deutsche Stücke, die in vielen Familien selbst gesungen, von Chören aufgeführt oder in Gottesdiensten zum Besten gegeben werden. Besonders beliebt sind dabei das in über 50 verschiedene Sprachen übersetzte „Stille Nacht, Heilige Nacht“, das erstmals 1818 in Österreich aufgeführt wurde und zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Zum Abschluss des Gottesdienstes am Heiligabend singen deutsche Gemeinden traditionell gemeinsam die erste Strophe von „O du fröhliche“. Auf Weihnachtsmärkten, in Kaufhäusern und im Radio werden hingegen vor allem weihnachtliche Popsongs rauf und runtergespielt. Besonders berühmt-berüchtigt sind dabei „Last Christmas“ von Wham!, das seit 1997 jedes Jahr um die Weihnachtszeit in den deutschen Charts vertreten ist, und „All I Want for Christmas Is You“ von Mariah Carey, das mit 1,8 Millionen Abrufen an Heiligabend 2017 den Deutschland-Rekord für das am häufigsten innerhalb eines Tages gestreamte Lied hält.