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Erfahrungsbericht: Studieren in Deutschland

| Erfahrungsberichte

Freya aus Neuseeland berichtet über ihr Auslandssemester an der Universität in Tübingen:

Über die Bedeutung neuer Freundschaften, die Erweiterung des eigenen Horizontes und die Liebe zur deutschen Sprache

Warum Deutschland?

2016 habe ich mich ziemlich rastlos an meiner Universität in Neuseeland gefühlt und war ernüchtert von meinem Abschluss dort. Ich traf die Entscheidung, mich für ein Auslandssemester in China zu bewerben aber während des Bewerbungsprozesses entdeckte ich durch Zufall ein Stipendium für einen Aufenthalt in Norwegen und bewarb mich daraufhin auf den Platz – mit Erfolg. Im Winter 2016 absolvierte ich ein Auslandssemester in Bergen, an der wunderschönen Westküste Norwegens. Die Leute, die ich dort kennen lernen durfte und die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, bereicherten mich so sehr, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Meine zwei besten Freunde in Bergen, Katrin und Marvin, waren Deutsche und als ich sie das erste Mal in ihrer Muttersprache sprechen hörte, war es sozusagen „Liebe auf den ersten Sound“. Mehr und mehr reifte der Gedanke in mir heran, in Deutschland zu leben und es bekam mein Lebensziel, Deutsch zu lernen. Also packte ich meine Koffer erneut und begann mein Auslandssemester in Deutschland im Sommersemester 2017 an der Universität in Tübingen, einer kleinen aber unfassbar schönen (Studenten-)Stadt in Süddeutschland.

Dies war mein zweiter längerer Auslandsaufenthalt und ich wusste deshalb, was ungefähr auf mich zukommen würde. Demnach war ich weniger gestresst, was den organisatorischen Aufwand betrifft. Zudem besitze ich neben der neuseeländischen ebenfalls die britische Staatsangehörigkeit und sparte mir damit den Aufwand, mich für ein Visum zu bewerben.

Die Bedeutung neuer Freundschaften

Mein Auslandssemester lehrte mich, wie wichtig Freundschaften und zwischenmenschliche Verbindungen sind. Die ersten Wochen in Deutschland schloss ich keine tiefen Freundschaften oder traf Leute, mit denen ich auf der gleichen Wellenlänge war und das enttäuschte mich sehr, weil mir solche Verbindungen mit anderen Menschen extrem wichtig sind. Nach einigen Wochen jedoch lernte ich bei einem gemeinsamen Abendessen bei einem Freund einen Studenten aus England kennen, der gerade für sein Auslandssemester widerkehrte. Er wurde schließlich zu meinem besten Freund in Tübingen und wenn ich ihn und einen anderen Jungen namens Zac nicht getroffen hätte, wäre meine Auslandserfahrung in Deutschland vermutlich nicht die Gleiche gewesen. Die Konversationen, die ich mit ihnen führte; die gleichen Ansichten und Meinungen, die wir teilten und den Spaß, den wir hatten, während wir nachts um die Häuser zogen, werden mir als unvergessliche Erinnerung bleiben.

Ich habe gelernt, dass man sehr früh eine gute Intuition über „passende“ Leute entwickeln kann. Wenn dich dein Gegenüber nicht in irgendeiner Weise emotional packt, ziehe weiter und finde neue Leute. Ich glaube fest daran, dass sich einige Charakterzüge der Menschen, mit denen man viel Zeit verbringt, automatisch in der eigenen Persönlichkeit festigen – verbringe deine Zeit also mit Menschen, die respektvoll und gutmütig, als auch interessant, leidenschaftlich und inspirierend für dich sind. Genau deswegen versuche ich stets so viele interessante Leute, wie möglich kennenzulernen. Sie geben dir so viel auf deinem Weg mit und auch, wenn du ihnen nicht in allem zustimmst, wird jede Begegnung auf irgendeine Weise deinen Horizont erweitern – und das kann niemals eine schlechte Sache sein.

Die Kultur

Ein Auslandssemester gibt dir immer die Gelegenheit, Einsicht in eine neue Kultur zu bekommen aber nicht immer kannst du völlig darin eintauchen. Ich wäre im Unrecht zu behaupten, ich würde die deutsche Kultur in all seinen Zügen „kennen“, weil es wirklich nicht so ist. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass manche Stereotype wie die „Bürokratie“ in Deutschland gar nicht so schlimm sind wie oft dargestellt -  ich persönlich kam zumindest sehr gut damit zurecht. Einmal passierte es, dass ich von der Universität in Tübingen exmatrikuliert wurde, weil ich meine Semestergebühren nicht fristgerecht bezahlte. Danach musste ich lediglich ein Treffen wahrnehmen, bei dem ich meine Situation erklären sollte und war wieder immatrikuliert. Auch wenn Bürokratie sicherlich ein sehr wichtiger Aspekt in Deutschland ist, war ich glücklich, dem ein wenig entgehen zu können – was meine Liebe für dieses Land nur bestärkt hat.

Das Essen

Eines meiner persönlichen Highlights in Tübingen und in Deutschland allgemein war die Tatsache, dass ich in der Lage war, so viel auszugehen und auswärts zu essen. Aufgrund der überaus teuren Ess-/Trink-Kultur in Neuseeland, bin ich zuvor selten in den Genuss gekommen, spontan auswärts essen und trinken zu gehen. In Tübingen traf ich mich ständig mit Freunden in der Stadt – zum Beispiel in meinem Lieblingscafé „Im Hirsch“, um ein 5€ Baguette gefüllt mit Salat, Tomate und Feta zu essen oder um mir auf dem Weg zur Universität schnell einen Falafel Döner zu holen. Das Essen in Neuseeland ist immer gleich so extravagant und ausgefallen. Ein Baguette dort wäre vermutlich im Holzofen gebacken, mit Avocado-Mousse und geschlagenem Feta angereichert und einem winzigen Salat serviert.. und nur, weil das Essen dann als „fancy“ gilt, würden sie zusätzlich 10$ verlangen. In Deutschland entspricht das Essen der Beschreibung in der Speisekarte, das fand ich sehr gut. Es ist einfach nur leckeres, simples und ehrlich zubereitetes Essen.

Die Sprache

Ich kann nicht wirklich viel und gut Deutsch sprechen, auch wenn dies ein großer Traum von mir ist. Trotzdem glaube ich nach dem ein oder anderen Bier, dass ich die Sprache fließend beherrsche. Die bittere Realität sieht anders aus: Ich bin leider auf dem Sprachniveau eines A1-Studenten. Ich war nie sonderlich interessiert an Sprachen – muss jedoch zugeben, dass Deutsch die einzige Sprache ist, die mich wirklich fasziniert und die ich schön finde. Deutsch ist so unfassbar cool! Hier sind ein paar Beispiele:

1. Ich liebe es, dass es in Deutsch lediglich ein Wort dafür gibt, wenn sich ein Song permanent in deinem Kopf abspielt: „Ohrwurm“. In Englisch brauchen wir einen kompletten Satz, um dieses Phänomen zu beschreiben.

2. Ich liebe außerdem, dass das Wort „allein“ der Zusammenschluss der gegensätzlichen Wörter „alles“ und „ein“ ist.

3. Am meisten liebe ich jedoch die Aussprache der Wörter „Organisation“ und „Polizei“.

Für mich klingt die deutsche Sprache einfach wunderschön. Viele Leute haben mir gesagt, ich solle einen Deutsch-Sprachkurs belegen aber ich bin entschlossen und würde es auch jedem anderen empfehlen, die Sprache auf natürlichem Wege zu lernen – durch das komplette Eintauchen in alltägliche Konversationen. Mir persönlich hilft das Anschauen deutscher Filme, wie zum Beispiel „Deutschland 83“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“, enorm oder ich höre deutsches Radio, um vor allem die Aussprache und den Slang zu lernen. Am meisten hat mir jedoch geholfen, dass ich während meines Aufenthaltes sehr viel durch Deutschland und die Schweiz gereist bin – oftmals per Anhalter. Ich wurde dabei von Leuten mitgenommen, die meistens nicht Englisch sprechen konnten und dadurch war ich regelrecht dazu gezwungen, auf Deutsch mit ihnen zu reden. Es ist unfassbar schön zu sehen, wie sich die Sätze automatisch aneinanderreihen und du eine Unterhaltung führen kannst, wenn du einfach keine andere Option hast.

Name: Freya 

Herkunftsland: Neuseeland

Dauer des Aufenthaltes: 5 Monate