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Gestapelte Münzen

Finanzierungsmöglichkeiten für ein Auslandssemester in Deutschland

| Organisatorisches

BAföG, Stipendium, Nebenjob und Co. - Welche Möglichkeiten gibt es?

Miete, Essen, Kleidung, Versicherung, Freizeit kostet – so auch im Auslandssemester oder im Auslandsstudium. Als Student hat man meist nur begrenzt Geld im Monat zur Verfügung, um alle Lebenshaltungskosten zu decken und trotzdem möchte man nicht jeden Tag den Kontostand überprüfen müssen. Im Heimatland weiß man um die Möglichkeiten der Finanzierung, wie sieht es jedoch in einem fremden Land aus? Welche Stipendien werden angeboten, welche Arbeitsmöglichkeiten hat man als Auslandsstudent, welche Regelungen gelten generell bei einem Studium in Deutschland?

Zunächst solltet ihr wissen, auf welche Kosten ihr euch ungefähr im Monat einstellen müsst, wenn ihr in Deutschland studiert. Dies kann variieren, abhängig von der Stadt, in der ihr studiert und euren persönlichen Ansprüchen. Die Werte hier sollen daher nur als leitende Instanz gelten, um euch einen generellen Überblick über deutsche Kostenverhältnisse zu geben:

Wohnung

Euer Studiumsort ist ausschlaggebend dafür, wie viel Geld ihr für ein Zimmer oder eine Wohnung bezahlen müsst. München, Frankfurt am Main, Stuttgart oder Berlin sind beispielweise sehr teure Städte zum Wohnen. Je nachdem, ob ihr ein kleines WG-Zimmer sucht oder eine Wohnung ganz für euch allein, bezahlt ihr inklusive Nebenkosten und Strom zwischen 230€ und 550€ im Monat.

Semesterbeitrag

Seid ihr an einer staatlichen Hochschule eingeschrieben, bezahlt ihr in den meisten Bundesländern zwischen 100€ und 300€ pro Semester. Ein großer Anteil davon nimmt jedoch das für Studierende ausgestellte Semesterticket ein, mit dem ihr auf Dauer sehr viel Geld sparen könnt. Studiengebühren hingegen fallen bei staatlichen Hochschulen gänzlich weg.

Verkehrsmittel

Habt ihr ein Semesterticket, werdet ihr lediglich für Strecken bezahlen müssen, die über das Einzugsgebiet eures Semestertickets (welches meist ein sehr großes Gebiet beinhaltet) hinaus gehen oder wenn ihr reist. Dies kann demnach von 0€ zu 50€ oder gar mehr variieren, je nachdem wie oft ihr im Monat unterwegs seid.

Lebensmittel

Deutschland bietet im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern die preisgünstigsten Produkte an. Insbesondere Milch und Käse sind verhältnismäßig günstig. Im Durchschnitt müsst ihr für Lebensmittel ca. 130-200€ monatlich einplanen. Kleiner Tipp: Das angebotene Essen in der Mensa eurer Universität ist eine gute und preiswerte Alternative, falls ihr mal keine Zeit oder Lust zum Kochen haben solltet.

Kleidung

Kosten für Kleidung sind sehr individuell und hängen daher stark von euren Geschmäckern ab. Markenpräferenz, Quantität, Qualität – dies alles sind Faktoren, die deine Shopping-Ausflüge zu einem sehr preiswerten oder sehr teurem Zeitvertreib machen. Trotzdem gilt in Deutschland: Von Secondhand-Shops, über bekannte Mode-Ketten wie H&M und Zara, bis hin zu teuren Boutiquen und Marken-Geschäften gibt es alles. Im Durchschnitt belaufen sich die monatlichen Kosten für Kleidung demnach auf 50€-160€.

Freizeit

Macht ihr gerne Sport, lest oder geht ins Kino, besucht gerne ab und an ein Restaurant oder Café oder feiert gern ausgiebig? Dies alles müsst ihr beachten, wenn ihr in Deutschland studiert. Fitnessstudio-Tarife für Studenten gibt es schon ab 15€, Hochschulsportkurse für 10€ im Semester, gefeiert werden kann für 15€ bis 50€ im Monat, ein durchschnittliches Essen im Restaurant kostet ca. 15€. Auch hier gilt: Worauf achtet ihr, was mögt ihr und was nicht? Ihr könnt hier mit einem monatlichen Betrag von 50€-70€ rechnen.

Rundfunkgebühr/Telefon/Internet

Lebst du in einer WG, sparst du bei den Telefon- und Internetkosten enorm viel Geld. Meist muss man bei den studentenfreundlichen Tarifen nur noch einen Teilbetrag von insgesamt ca. 10€ bezahlen. Der Rundfunkbeitrag den ihr für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zahlen müsst, belaufen sich dagegen auf monatlich 17,50€ und sind verpflichtende Kosten für jeden deutschen Bürger (bis auf ein paar wenige Ausnahmen).

Krankenversicherung

Wenn du aus dem Ausland kommst, solltest du unbedingt vorher an das Abschließen einer umfangreichen Krankenversicherung denken. Auch diese Kosten können sich stark voneinander unterscheiden, je nachdem für welches Versicherungspaket du dich entscheidest. 

Wir bieten beispielsweise verschiedene Pakete mit unterschiedlichen Leistungen an, beginnend mit 29,50€ bis hin zu 75,00€. Darüber hinaus solltest du je nach Dauer deines Aufenthaltes und deinen persönlichen Präferenzen darüber nachdenken, gegebenenfalls auch eine Unfallversicherung und Haftpflichtversicherung abzuschließen.

Lernmaterial

Falls du ein Fach studierst, in dem du auf den Kauf von Büchern angewiesen bist, können auch dies Kosten sein, die nicht zu unterschätzen sind. Ansonsten bieten Bibliotheken eine bessere Alternative, die deinen Geldbeutel schont und trotzdem genug Lernstoff für anstehende Klausuren und Hausarbeiten bietet. Außerdem solltest du immer ein paar essentielle Schreibutensilien, wie einen Schreibblock, Stifte und Textmarker dabei haben. Die Kosten schwanken demnach zwischen ca 10€ bis 60€. 

Insgesamt müsst ihr daher mit monatlichen Lebenshaltungskosten von 627€ bis 1492,50€ rechnen.

Kommen wir nun zu den Finanzierungsmöglichkeiten, die ihr als Auslandsstudent in Deutschland habt.

Familie

Die naheliegendste Möglichkeit, die fast jeder Student hat – unabhängig ob im Heimatland oder Ausland – ist die eigene Familie, insbesondere die Eltern. Die meisten Eltern unterstützen ihre Kinder finanziell bei dem Studium mit und können bei unerwarteten, finanziellen Problemen oder Risiken die anfallenden Kosten decken. 

Nebenjob

Auslandsstudenten aus der Europäischen Union und aus den Ländern Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz sind den deutschen Studenten gleichgestellt, was die Regelungen für die Ausübung eines Nebenjobs betrifft. Sie dürfen lediglich – wie einheimische Studenten auch – 20 Arbeitsstunden pro Woche nicht überschreiten. Werden die 20 Arbeitsstunden pro Woche überschritten, werden die Versicherungsbeiträge angepasst und erhöht. Für Auslandsstudenten aus anderen Ländern gilt: Ihr dürft 120 volle oder 240 halbe Tage im Jahr arbeiten. Ausgeschlossen davon ist die selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit. Eine Ausnahme gibt es zusätzlich: Zeitlich unbegrenzt arbeiten könnt ihr als wissenschaftliche Hilfskraft (genannt „Hiwi“) an der eigenen Hochschule. Falls ihr in eurem Auslandssemester in Deutschland einen Nebenjob ausüben möchtet, informiert euch besser vorher nochmals genauer über die Regelungen und Bedingungen, zum Beispiel hier.

Stipendium/Begabtenförderung/Stiftung

Als Student/in aus dem Ausland habt ihr in Deutschland gute Chancen auf ein Stipendium, passend auf euren Studiengang oder eure Forschungsrichtung abgestimmt. Insbesondere der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) bietet ein breites Repertoire an unterschiedlichen Stipendien, die meist eine enorme finanzielle Unterstützung zu eurem monatlich verfügbaren Geld darstellen. Aber auch andere Institutionen schreiben jährlich Stipendien für Studenten aus dem Ausland aus, die für ihr Studium nach Deutschland kommen. Diese richten sich nach eurem Herkunftsland, der Dauer eures Auslandsaufenthaltes und der Art eures Studiums – Bachelor- oder Masterstudium. Meist enthält ein Stipendium ein monatliches Stipendium, eine jährliche Studiumbeitragsförderung, Zuschläge für Kranken- Unfall und Privathaftpflichtversicherungen und Zuschüsse für die Reisekosten. Für einige Stipendien gelten neben anderen spezfisichen Voraussetzungen vor allem das Vorweisen sehr guter Leistungen im Studium, exzellente Deutschkenntnisse und soziales Engagement. 

BAföG

BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) ist eine staatliche finanzielle Förderung für Schüler/innen und Studenten/Studentinnen in Deutschland. Grundsätzlich kann jeder, der in Deutschland studiert, BAföG beantragen. Ob dir die Förderung gewährt wird, hängt primär von dem Einkommen deiner Eltern, von deinem eigenen möglichen Einkommen (sofern du einen Nebenjob ausübst), deiner Wohnsituation und der Ausbildungsstätte ab. Am Ende deines Studiums musst du die Hälfte der Förderung zurück zahlen, die andere Hälfte ist reine Förderung und daher Zuschuss des Staates. Generell gilt: Die Antragstellung bei BAföG ist sehr umfangreich und die Regelungen sind sehr detailliert und streng. Als Student/in aus dem Ausland ist es sehr schwierig, BAföG zu erhalten, da die Regelungen so verschärft sind, dass es auf die meisten Auslandsstudenten nicht zutrifft. Ihr solltet diese Finanzierungsmöglichkeit trotzdem in Betracht ziehen und euch daher im Vorfeld informieren, ob ihr den Regelungen des deutschen BAföGs entsprecht und euch um eine Förderung bemühen könnt. Mehr Informationen zu den Anforderungen und Bedingungen des BAföGs erhältst du bei dem zuständigen Studentenwerk deiner deutschen Universität.

Schlagen alle der genannten Studienfinanzierungsmöglichkeiten fehl, hast du immer noch die Möglichkeit, einen Studien- oder Bildungskredit für dein Auslandsstudium in Anspruch zu nehmen. Dies empfiehlt sich jedoch nur, falls du die monatlichen Kosten unter keinen Umständen selber aufbringen kannst und dringend auf das Geld angewiesen bist. Meist musst du nämlich nicht nur den Kredit an sich zurückzahlen, sondern auch die Zinsen und das kann nach Abschluss deines Studiums zu ungeahnten Kosten führen. Solltest du dich trotzdem für einen Studienkredit entscheiden, informiere dich eindringlich und früh genug in deinem Heimatland, welche Optionen dir dort geboten sind.

Der Plan, im Ausland zu studieren sollte immer gut durchdacht sein, auch was die Finanzierung dessen angeht. Mache dir früh genug Gedanken, welche persönlichen Finanzierungsmöglichkeiten dir gegeben sind und welche Förderungen du zusätzlich in Anspruch nehmen kannst. Hoffentlich konnte dir der Artikel eine kleine Übersicht über deutsche Kostenverhältnisse geben, damit du eine grobe Einschätzung darüber hast, welche Kosten dich bei deinem Auslandsaufenthalt in Deutschland erwarten und du nun gelassener dein Auslandssemester hier starten kannst.